Warum man streitet: Die unausgesprochenen Konflikte des alleinerziehenden

Wenn aus Erschöpfung Streit wird

Wenn der Druck von allen Seiten kommt

Alleinerziehend zu sein ist schon Herausforderung genug. Aber manchmal fühlt es sich an, als würde jeder etwas von dir wollen.

Der Chef möchte, dass du flexibel bist.  

Die Kita braucht dies noch und die Schule möchte jenes.  

Das Amt braucht natürlich noch ein Formular. 😅  

Und wenn du gerade dringend Unterstützung brauchst, funktioniert ausgerechnet dann irgendetwas nicht so, wie es sollte.

Dazu kommen Termine, Haushalt, Geld, Kinder, Arbeit und der ganz normale Wahnsinn.

Und als wäre das alles noch nicht genug, gibt es dann die Dinkeldörten-Fraktion:

„Also MEIN Kind konnte das mit drei schon.“  

„Meiner schläft schon durch.“  

„Meine Tochter macht das ganz alleine.“

Danke für nichts. 😂

 

Und irgendwann sitzt du da und denkst:

„Egal, was ich mache – irgendjemand findet, dass ich es falsch mache.“

Arbeite ich zu viel, bin ich nicht genug für mein Kind da.  

Arbeite ich weniger, reicht das Geld nicht.  

Bin ich streng, bin ich zu streng.  

Bin ich entspannt, bin ich zu locker.  

Kümmere ich mich um mein Kind, vernachlässige ich meinen Job.  

Kümmere ich mich um den Job, habe ich ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Kind.

 

Und genau da liegt für mich das eigentliche Problem.

Nicht darin, dass wir ständig streiten wollen.

Sondern darin, dass von allen Seiten Erwartungen, Anforderungen und Meinungen auf uns einprasseln – bis irgendwann einfach nichts mehr geht.

 

Dann reicht eine Kleinigkeit und wir explodieren. Beim Kind. Bei der Kita/Schule. Beim Kollegen/Chef. Beim Chef. Bei der Freundin. Oder gleich bei uns selbst.

 

Und danach kommt natürlich noch das schlechte Gewissen.

Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber reden, was wir alles noch besser machen könnten, und viel öfter darüber, wie wir den Druck überhaupt mal rausbekommen.

Denn vielleicht machen wir gar nicht alles falsch.

Vielleicht verlangen wir einfach viel zu viel von Menschen, die sowieso schon jeden Tag versuchen, alles irgendwie zusammenzuhalten. 

Wir alleinerziehenden leisten eh schon minimum das Doppelte. 

Also lass die anderen labern und schau auf das, was tatsächlich wichtig ist!

Dein(e) Kind(er) sind wichtig. Euer Zuhause, Haustiere, näheres Umfeld.

Alles andere ist NICHT bei euch Zuhause und kocht, während dessen der Haushalt gemacht werden muss, weil der Hamster gekotzt hat.

Der Chef auch nicht. Der schmeißt dich raus, wenn seine Firma in Schieflage gerät. 

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Der unsichtbare Mental Load als Streitauslöser

Mental Load bedeutet nicht einfach, dass man viel zu tun hat. Es bedeutet, an all die Dinge denken zu müssen, die getan werden müssen. Und genau das wird oft unterschätzt.

In einer Partnerschaft kann der andere Part zumindest mal einen Handgriff übernehmen. Einer holt das Kind ab, während der andere einkauft. Einer kümmert sich um den Termin, während der andere gerade arbeitet.

Alleinerziehend? Da gibt es keinen zweiten Erwachsenen, der einfach mal übernimmt.

Und genau das verstehen viele Menschen nicht. Sie sehen vielleicht, dass du „nur“ einen Termin organisieren musst. Was sie nicht sehen: Du musst gleichzeitig daran denken, wer das Kind hinbringt, wer es abholt, was es braucht, ob du arbeiten musst, was mit der Betreuung ist und was passiert, wenn irgendetwas dazwischenkommt.

Ich merke persönlich immer wieder, dass vielen gar nicht bewusst ist, was „alleinerziehend“ tatsächlich bedeutet.

Und dann kommen die gut gemeinten Ratschläge. Besonders schön sind die von Menschen, die selbst gar keine Kinder haben. 😂

Aber auch Tipps aus funktionierenden Familien können manchmal einfach an der Realität vorbeigehen.

„Dann soll doch dein Partner…“

Tja. Welcher Partner? 😅

Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber urteilen, wie jemand seinen Alltag organisiert, und stattdessen öfter fragen:

„Was kann ich dir eigentlich abnehmen?“

Denn genau das fehlt Alleinerziehenden häufig nicht nur praktisch, sondern auch gesellschaftlich: das Verständnis dafür, dass sie nicht einfach eine Aufgabe mehr erledigen müssen – sie tragen viele Aufgaben ganz alleine.

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Konkurrenzdruck und Vergleiche unter uns

😏 Konkurrenzdruck und Vergleiche – wer macht es angeblich besser?

Auf dem Spielplatz, in WhatsApp-Gruppen, in sozialen Medien oder beim Abholen aus Kita und Schule:

„Mein Kind konnte das schon mit zwei.“  

„Also meiner isst überhaupt keinen Zucker.“  

„Meine schläft schon längst durch.“

 

Und plötzlich fühlt man sich, als müsste man nicht nur sein eigenes Leben wuppen, sondern gleichzeitig noch einen Wettbewerb gewinnen, für den man sich überhaupt nicht angemeldet hat. 😂

 

Besonders schwierig wird es, wenn aus Vergleichen kleine Spitzen werden. Ein beiläufiger Kommentar, ein Blick, ein „Also ich würde das ja anders machen…“ – und schon fühlt man sich, als müsste man seine Entscheidungen rechtfertigen.

 

Für Alleinerziehende kann dieser Druck nochmal besonders heftig sein. Denn wenn sowieso ständig das Gefühl da ist, alles alleine schaffen zu müssen, braucht es nicht noch jemanden, der einem vermittelt, dass man es nicht gut genug macht.

 

Und dabei wissen wir eigentlich alle: Keiner kennt den kompletten Alltag des anderen.

 

Wir sehen fünf Minuten auf dem Spielplatz – aber nicht die durchwachte Nacht davor.  

Wir sehen das ordentlich gepackte Pausenbrot – aber nicht den Streit am Morgen.  

Wir sehen das lachende Kind – aber nicht, was zuhause gerade los ist.

 

Wir dürfen aufhören und gegenseitig zu messen! Das ist totaler Schwachsinn und dumm

 

Nicht jedes Kind muss gleich sein. Nicht jede Familie funktioniert gleich. Und nicht jeder Weg muss zu deinem passen.

Wichtig zu wissen

„Was ist hier gerade eigentlich zu viel?“ Offen darüber zu sprechen, sich gegenseitig ernst zu nehmen und auch mal zu sagen „Ich kann gerade nicht mehr“, kann schon unglaublich viel verändern.

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